Welche Medikamente werden bei der Neuraltherapie gespritzt?

Bei der klassischen Neuraltherapie werden Lokalanästhetika eingesetzt – besonders häufig Procain. Dabei handelt es sich um ein örtliches Betäubungsmittel, das die Weiterleitung von Nervenimpulsen vorübergehend hemmt. Je nach Behandlungskonzept können auch andere Lokalanästhetika verwendet werden. Welcher Wirkstoff und welche Konzentration geeignet sind, muss individuell entschieden werden.

Die Neuraltherapie unterscheidet sich damit beispielsweise von Injektionstherapien mit Kortison oder Schmerzmitteln. Im Mittelpunkt steht die gezielte Anwendung eines Lokalanästhetikums.

Welches Medikament wird bei der Neuraltherapie am häufigsten verwendet?

Ein traditionell und häufig eingesetzter Wirkstoff in der Neuraltherapie ist Procain.

Procain gehört zur Gruppe der Lokalanästhetika. Diese Medikamente werden verwendet, um die Weiterleitung von Nervenimpulsen in einem begrenzten Bereich vorübergehend zu beeinflussen.

In Deutschland sind Procain-Injektionslösungen verfügbar, deren zugelassene Anwendungsgebiete ausdrücklich neuraltherapeutische Anwendungsprinzipien einschließen.

Abhängig vom jeweiligen Präparat und der vorgesehenen Anwendung stehen unterschiedliche Konzentrationen zur Verfügung.

Welche Konzentration und welche Menge verwendet werden, richtet sich nach der geplanten Injektion und der individuellen gesundheitlichen Situation.

Was ist Procain?

Procain ist ein Lokalanästhetikum vom Ester-Typ.

Der Wirkstoff wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und gehört damit zu den seit langer Zeit bekannten örtlichen Betäubungsmitteln.

Seine grundlegende medizinische Wirkung besteht darin, die Erregbarkeit von Nervenfasern vorübergehend herabzusetzen.

Vereinfacht ausgedrückt:

Ein Nerv benötigt elektrische Signale, um Informationen weiterzuleiten. Dabei spielen bestimmte Ionenkanäle in der Zellmembran eine entscheidende Rolle.

Procain beeinflusst insbesondere Natriumkanäle. Dadurch wird die Entstehung und Weiterleitung elektrischer Nervenimpulse vorübergehend gehemmt.

Auf diesem Mechanismus beruht die lokalanästhetische und damit schmerzhemmende Wirkung.

Warum wird gerade Procain in der Neuraltherapie verwendet?

Procain besitzt einige Eigenschaften, die seine Verwendung innerhalb der Neuraltherapie erklären.

Dazu gehört insbesondere seine vergleichsweise kurze lokale Wirkdauer.

Der Wirkstoff wird nach Aufnahme in den Körper relativ schnell abgebaut. Procain gehört zu den Ester-Lokalanästhetika und wird überwiegend durch Enzyme im Blut beziehungsweise Plasma hydrolysiert.

Für das Konzept der Neuraltherapie ist die kurze pharmakologische Wirkung von besonderem Interesse.

Denn die Behandlung verfolgt nicht ausschließlich das Ziel, einen Körperbereich für möglichst lange Zeit zu betäuben. Vielmehr soll durch die gezielte Injektion eine Veränderung von Schmerz- und Regulationsprozessen angestoßen werden.

Ob und in welchem Umfang solche weitergehenden Effekte auftreten, ist allerdings nicht für sämtliche neuraltherapeutischen Anwendungsgebiete wissenschaftlich abschließend geklärt.

Ist Procain ein Schmerzmittel?

Procain ist kein klassisches Schmerzmittel wie beispielsweise Ibuprofen oder Paracetamol.

Es gehört zur Gruppe der Lokalanästhetika.

Der Unterschied liegt im Wirkmechanismus.

Klassische Schmerzmittel werden häufig als Tabletten eingenommen und wirken nach der Aufnahme im Körper über unterschiedliche pharmakologische Mechanismen.

Ein Lokalanästhetikum wird dagegen gezielt an einer bestimmten Stelle eingesetzt und kann dort die Weiterleitung von Nervenimpulsen vorübergehend hemmen.

Dadurch kann die Wahrnehmung von Schmerzen in dem behandelten Bereich beeinflusst werden.

Wird bei der Neuraltherapie immer Procain verwendet?

Nein.

Auch andere Lokalanästhetika können grundsätzlich im Rahmen entsprechender Injektionsverfahren eingesetzt werden.

In der wissenschaftlichen Literatur zum therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika finden sich insbesondere Untersuchungen zu Procain und Lidocain.

Lidocain gehört ebenfalls zu den Lokalanästhetika, unterscheidet sich chemisch jedoch von Procain.

Während Procain zu den Ester-Lokalanästhetika gehört, zählt Lidocain zu den Amid-Lokalanästhetika.

Diese Unterscheidung ist unter anderem deshalb relevant, weil sich die Wirkstoffe hinsichtlich ihres Abbaus und ihrer pharmakologischen Eigenschaften unterscheiden.

Welche Substanz für eine konkrete Anwendung infrage kommt, sollte deshalb nicht pauschal beantwortet werden.

Was ist Lidocain?

Lidocain ist ebenfalls ein Lokalanästhetikum.

Wie Procain blockiert es spannungsabhängige Natriumkanäle und kann dadurch die Weiterleitung von Nervenimpulsen vorübergehend hemmen.

Lidocain gehört allerdings zur Gruppe der Amid-Lokalanästhetika und wird anders verstoffwechselt als Procain.

Es wird in vielen Bereichen der Medizin eingesetzt, beispielsweise zur lokalen Betäubung bei kleineren medizinischen Eingriffen.

Auch in wissenschaftlichen Untersuchungen zum therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika spielt Lidocain eine Rolle.

Procain und Lidocain sollten deshalb trotz ihres ähnlichen grundlegenden Wirkprinzips nicht als identische Medikamente betrachtet werden.

Wird bei der Neuraltherapie Kortison gespritzt?

Kortison gehört nicht zum eigentlichen Wirkprinzip der klassischen Neuraltherapie.

Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Bei verschiedenen medizinischen Injektionstherapien können Kortikosteroide eingesetzt werden, beispielsweise bei bestimmten entzündlichen Erkrankungen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Injektion an einen schmerzhaften Körperbereich eine Neuraltherapie ist.

Bei der klassischen Neuraltherapie stehen Lokalanästhetika wie Procain im Mittelpunkt.

Patienten können deshalb vor einer Injektion konkret fragen:

Welcher Wirkstoff wird mir gespritzt?

Diese Frage sollte eindeutig beantwortet werden können.

Werden bei der Neuraltherapie starke Schmerzmittel gespritzt?

Auch dies gehört nicht zum grundlegenden Konzept der klassischen Neuraltherapie.

Procain selbst wirkt zwar schmerzhemmend, weil es die Nervenleitung vorübergehend beeinflusst. Es ist aber beispielsweise kein Opioid und kein klassisches systemisch wirkendes Schmerzmittel.

Der Begriff „Schmerzspritze“ ist deshalb ungenau.

Er sagt zunächst nichts darüber aus, welches Medikament tatsächlich injiziert wird.

Für Patienten ist die genaue Bezeichnung des Wirkstoffs wesentlich aussagekräftiger.

Wie viel Procain wird bei einer Neuraltherapie verwendet?

Hierfür gibt es keine einzige Dosis, die für jede neuraltherapeutische Behandlung gilt.

Die verwendete Menge hängt unter anderem davon ab:

  • welche Injektionstechnik angewendet wird,
  • wo injiziert wird,
  • welche Konzentration verwendet wird,
  • wie viele Injektionen vorgesehen sind,
  • welche gesundheitlichen Voraussetzungen bestehen und
  • welches konkrete Arzneimittel verwendet wird.

Grundsätzlich sollte nur die für die gewünschte Wirkung erforderliche Menge eingesetzt werden.

Dabei müssen die Dosierungsangaben und Höchstmengen des jeweiligen Arzneimittels berücksichtigt werden.

Mehr Procain bedeutet nicht automatisch eine stärkere oder bessere neuraltherapeutische Wirkung.

Welche Konzentrationen von Procain gibt es?

Procain-Injektionslösungen werden in unterschiedlichen Konzentrationen angeboten.

Beispielsweise existieren Präparate mit 1-prozentiger oder 2-prozentiger Procainlösung.

Eine 1-prozentige Lösung enthält 10 Milligramm Procainhydrochlorid pro Milliliter. Bei einer 2-prozentigen Lösung sind es entsprechend 20 Milligramm pro Milliliter.

Welche Konzentration eingesetzt werden kann, hängt von der konkreten Anwendung und dem verwendeten Arzneimittel ab.

Patienten müssen diese Entscheidung nicht selbst treffen.

Für sie ist vielmehr wichtig, dass Wirkstoff, Konzentration und Dosierung zur vorgesehenen Behandlung passen.

Was passiert mit Procain nach der Injektion im Körper?

Nach der Injektion verteilt sich Procain zunächst im behandelten Gewebe.

Dort kann es an Nervenfasern seine lokalanästhetische Wirkung entfalten.

Anschließend gelangt ein Teil des Wirkstoffs in den Blutkreislauf.

Procain wird im Körper relativ schnell durch sogenannte Plasmaesterasen beziehungsweise Pseudocholinesterasen abgebaut.

Dabei entstehen Abbauprodukte, zu denen unter anderem Para-Aminobenzoesäure (PABA) gehört.

Diese Art des Abbaus unterscheidet Procain von Lokalanästhetika des Amid-Typs wie Lidocain, die überwiegend in der Leber verstoffwechselt werden.

Kann man gegen Procain allergisch sein?

Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich.

Bei Procain ist dabei unter anderem relevant, dass beim Abbau Para-Aminobenzoesäure (PABA) entsteht.

Auch Bestandteile des jeweiligen Arzneimittelpräparates können bei der Beurteilung einer vermuteten Unverträglichkeit eine Rolle spielen.

Deshalb sollte vor einer Behandlung nach bekannten Allergien und früheren Reaktionen auf Lokalanästhetika gefragt werden.

Wer bei einer früheren örtlichen Betäubung ungewöhnliche Beschwerden entwickelt hat, sollte dem Behandler möglichst genau schildern:

  • welches Medikament verwendet wurde,
  • welche Beschwerden auftraten,
  • wie schnell sie auftraten und
  • ob die Reaktion medizinisch untersucht wurde.

Nicht jede Reaktion nach einer Spritze ist automatisch eine Allergie. Auch Kreislaufreaktionen, Angst vor Nadeln oder andere Ursachen können Beschwerden während oder nach einer Injektion hervorrufen.

Was ist wichtig, wenn eine Allergie gegen ein Lokalanästhetikum bekannt ist?

Eine bekannte oder vermutete Allergie sollte vor der Behandlung unbedingt angesprochen werden.

Das gilt besonders bei früheren Reaktionen wie:

  • Hautausschlag,
  • ausgeprägtem Juckreiz,
  • Nesselsucht,
  • Schwellungen oder
  • Atemproblemen.

In solchen Situationen sollte nicht einfach davon ausgegangen werden, dass ein anderes Lokalanästhetikum automatisch problemlos verwendet werden kann.

Je nach Vorgeschichte kann eine weitere medizinische beziehungsweise allergologische Abklärung erforderlich sein.

Kann Procain Nebenwirkungen verursachen?

Ja.

Wie jedes wirksame Arzneimittel kann auch Procain unerwünschte Wirkungen verursachen.

Dabei spielen unter anderem die verwendete Dosis, die Injektionsstelle, die Geschwindigkeit der Aufnahme und die individuelle gesundheitliche Situation eine Rolle.

Mögliche unerwünschte Wirkungen können lokale Reaktionen an der Injektionsstelle sowie Überempfindlichkeitsreaktionen umfassen.

Gelangen Lokalanästhetika in zu hoher Konzentration in den Blutkreislauf, können außerdem sogenannte systemische toxische Reaktionen auftreten.

Diese können insbesondere das zentrale Nervensystem und das Herz-Kreislauf-System betreffen.

Deshalb müssen Dosierung und Injektionstechnik sorgfältig gewählt werden.

Warum sollte der Behandler alle Medikamente des Patienten kennen?

Vor einer neuraltherapeutischen Behandlung sollte der Patient über seine regelmäßig eingenommenen Medikamente informieren.

Das betrifft insbesondere Arzneimittel, die für die Durchführung einer Injektion relevant sein können.

Beispielsweise kann eine medikamentös beeinflusste Blutgerinnung das Blutungsrisiko bei bestimmten Injektionen verändern.

Auch bestehende Erkrankungen können bei der Auswahl und Dosierung eines Lokalanästhetikums eine Rolle spielen.

Eine vollständige Medikamentenliste kann deshalb beim ersten Termin hilfreich sein.

Medikamente sollten allerdings nicht eigenständig für eine Neuraltherapie abgesetzt oder verändert werden.

Ist Procain in der Neuraltherapie nur ein Betäubungsmittel?

Die nachgewiesene pharmakologische Grundlage ist zunächst die Wirkung als Lokalanästhetikum.

Das neuraltherapeutische Konzept geht jedoch darüber hinaus.

Dabei wird angenommen, dass niedrig dosierte Lokalanästhetika neben der unmittelbaren Blockade der Nervenleitung weitere Effekte auf Schmerz- und Regulationsprozesse haben könnten.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 untersuchte 129 Studien zum therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika. Am häufigsten wurden chronische und akute Schmerzen untersucht.

Die Autoren fanden Hinweise auf therapeutische Effekte, betonten gleichzeitig jedoch den Bedarf an größeren, methodisch hochwertigen randomisierten Studien und längeren Nachbeobachtungszeiten.

Deshalb ist eine klare Formulierung wichtig:

Die pharmakologische Wirkung von Procain als Lokalanästhetikum ist etabliert. Weitergehende neuraltherapeutische Wirkungen müssen je nach Anwendung gesondert wissenschaftlich bewertet werden.

Was sollte ich vor einer Neuraltherapie über das verwendete Medikament wissen?

Patienten dürfen vor einer Behandlung konkret nachfragen.

Sinnvolle Fragen sind beispielsweise:

Welches Medikament wird verwendet?

Warum wird dieses Medikament eingesetzt?

Welche Konzentration wird verwendet?

Wo soll es injiziert werden?

Welche Nebenwirkungen und Risiken bestehen?

Gibt es aufgrund meiner Erkrankungen oder Medikamente besondere Risiken?

Eine Injektion sollte für den Patienten nachvollziehbar sein.

Das gilt unabhängig davon, ob Procain, Lidocain oder ein anderes Medikament verwendet wird.

Kurz zusammengefasst: Welche Medikamente werden bei der Neuraltherapie gespritzt?

Bei der klassischen Neuraltherapie werden Lokalanästhetika verwendet. Besonders häufig kommt Procain zum Einsatz.

Procain ist ein Lokalanästhetikum vom Ester-Typ. Es hemmt vorübergehend die Weiterleitung von Nervenimpulsen, indem es insbesondere Natriumkanäle beeinflusst.

Neben Procain können in entsprechenden Behandlungskonzepten auch andere Lokalanästhetika wie Lidocain eingesetzt werden.

Kortison, Opioide oder klassische Schmerzmittel gehören dagegen nicht zum grundlegenden Wirkprinzip der klassischen Neuraltherapie.

Welcher Wirkstoff, welche Konzentration und welche Menge verwendet werden, muss individuell entschieden werden. Dabei sind neben dem Beschwerdebild auch Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien und die geplante Injektionstechnik zu berücksichtigen.

Neuraltherapie bei Martin Hammacher

Martin Hammacher ist Heilpraktiker und verfügt über langjährige Erfahrung mit Neuraltherapie sowie osteopathischen, chiropraktischen und weiteren manuellen Behandlungsmethoden. In seinen Praxen in Düsseldorf-Angermund und Köln-Rodenkirchen werden vor einer neuraltherapeutischen Behandlung die individuelle Beschwerdesituation, gesundheitliche Vorgeschichte sowie mögliche Risiken und Gegenanzeigen berücksichtigt.

Vor einer Injektion können der verwendete Wirkstoff, die vorgesehene Behandlung und offene Fragen zur Anwendung besprochen werden.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Untersuchung oder Diagnose. Arzneimittel dürfen nur unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformation sowie individueller Risiken angewendet werden.

Author: Martin Hammacher

zuletzt fachlich geprüft/aktualisiert: 2.10.2026