Bei welchen Beschwerden kann Neuraltherapie eingesetzt werden?

Neuraltherapie wird vor allem bei akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt. Typische Anwendungsbereiche sind Beschwerden des Bewegungsapparates, Rücken- und Nackenschmerzen, muskuläre Schmerzen sowie bestimmte Formen von Nervenschmerzen. Darüber hinaus wird Neuraltherapie auch bei weiteren Beschwerden angewendet. Wie gut ihre Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist, unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen den einzelnen Anwendungsgebieten.

Bei der Neuraltherapie werden kleine Mengen eines Lokalanästhetikums – häufig Procain – gezielt in bestimmte Körperregionen injiziert. Wo die Injektion erfolgt und ob eine neuraltherapeutische Behandlung überhaupt infrage kommt, hängt vom individuellen Beschwerdebild und der gesundheitlichen Situation des Patienten ab.

Bei welchen Beschwerden wird Neuraltherapie häufig eingesetzt?

Der Schwerpunkt der Neuraltherapie liegt im Bereich der Schmerzbehandlung.

Eine systematische Übersichtsarbeit zum therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika fand den größten Teil der untersuchten Anwendungen bei chronischen Schmerzen. Weitere Studien beschäftigten sich mit akuten Schmerzen. Daneben wurden auch Anwendungen außerhalb der Schmerzbehandlung untersucht.

In der Praxis wird Neuraltherapie bei einem Heilpraktiker unter anderem eingesetzt bei:

  • Rückenschmerzen,
  • Nackenschmerzen,
  • muskulären Schmerzen,
  • bestimmten Gelenkbeschwerden,
  • bestimmten Formen von Nervenschmerzen,
  • myofaszialen Schmerzen,
  • bestimmten Kopfschmerzformen,
  • Beschwerden im Zusammenhang mit Narben sowie
  • weiteren chronischen Schmerzsyndromen.

Diese Aufzählung beschreibt mögliche beziehungsweise gebräuchliche Anwendungsbereiche. Sie bedeutet nicht, dass für jedes dieser Beschwerdebilder eine gleich gute wissenschaftliche Evidenz vorliegt.

Kann Neuraltherapie bei Rückenschmerzen eingesetzt werden?

Rückenschmerzen gehören zu den Beschwerden, bei denen Neuraltherapie eingesetzt wird.

Dabei können je nach Befund unterschiedliche Injektionsformen infrage kommen. Beispielsweise können oberflächliche Injektionen in bestimmte Hautbereiche oder Injektionen an ausgewählte schmerzhafte Strukturen vorgenommen werden.

Welche Behandlung sinnvoll erscheint, hängt jedoch zunächst davon ab, wodurch die Rückenschmerzen verursacht werden könnten.

Rückenschmerz ist keine einheitliche Erkrankung.

Muskel- und Gelenkstrukturen können ebenso eine Rolle spielen wie Bandscheiben, Nerven oder andere Ursachen. Bei einem großen Teil der Rückenschmerzen lässt sich zudem keine einzelne eindeutig verantwortliche Struktur bestimmen.

Deshalb sollte vor einer neuraltherapeutischen Behandlung eine Anamnese und Untersuchung erfolgen.

Kann Neuraltherapie bei Nackenschmerzen eingesetzt werden?

Auch bei Nackenschmerzen kann Neuraltherapie als Behandlungsverfahren eingesetzt werden.

Wie bei Rückenschmerzen können dabei unterschiedliche Strukturen und Ursachen eine Rolle spielen.

Muskuläre Beschwerden, funktionelle Probleme des Bewegungsapparates und andere Faktoren können Nackenschmerzen beeinflussen. Gleichzeitig können hinter Nackenbeschwerden auch Erkrankungen stehen, die eine weiterführende Diagnostik erforderlich machen.

Eine Injektion sollte deshalb nicht allein aufgrund des Symptoms „Nackenschmerz“ erfolgen.

Entscheidend ist zunächst die Frage, welche Beschwerden genau vorliegen und ob Hinweise auf eine Ursache bestehen, die gegen eine neuraltherapeutische Behandlung spricht oder eine andere medizinische Behandlung erforderlich macht.

Kann Neuraltherapie bei muskulären Schmerzen eingesetzt werden?

Muskuläre und sogenannte myofasziale Schmerzen gehören zu den Anwendungsgebieten, bei denen Injektionen mit Lokalanästhetika untersucht wurden.

Bei myofaszialen Schmerzen können lokal besonders empfindliche Muskelbereiche auftreten, die häufig als Triggerpunkte bezeichnet werden.

In bestimmten Behandlungskonzepten werden solche Bereiche gezielt injiziert.

Eine systematische Übersichtsarbeit zu Injektionen bei myofaszialen Schmerzen untersuchte unter anderem Lokalanästhetika und fand Hinweise auf eine mögliche Schmerzreduktion. Gleichzeitig bestanden deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Studien.

Auch hier gilt deshalb: Das Vorliegen einer schmerzhaften Muskelregion bedeutet nicht automatisch, dass eine Injektion erforderlich oder anderen Behandlungsformen überlegen ist.

Kann Neuraltherapie bei Nervenschmerzen eingesetzt werden?

Lokalanästhetika beeinflussen die Weiterleitung elektrischer Signale in Nerven. Deshalb ist ihr Einsatz bei bestimmten Formen von neuropathischen Schmerzen beziehungsweise Nervenschmerzen Gegenstand medizinischer Forschung.

Neuropathische Schmerzen können beispielsweise nach einer Schädigung oder Erkrankung von Nerven auftreten.

Patienten beschreiben solche Beschwerden teilweise als:

  • brennend,
  • stechend,
  • elektrisierend oder
  • einschießend.

Zusätzlich können Missempfindungen oder Taubheitsgefühle auftreten.

Eine aktuelle systematische Untersuchung zum Einsatz von Lokalanästhetika bei neuropathischen beziehungsweise Phantomschmerzen kommt zu dem Ergebnis, dass entsprechende Infiltrationen eine mögliche Therapieoption darstellen können. Die Autoren betonen gleichzeitig, dass weitere Studien erforderlich sind, um die Evidenz zu verbessern.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum zwischen möglicher Therapieoption und gesicherter Standardbehandlung unterschieden werden sollte.

Kann Neuraltherapie bei Kopfschmerzen eingesetzt werden?

Neuraltherapeutische Verfahren werden auch bei bestimmten Formen von Kopfschmerzen eingesetzt.

Kopfschmerzen können jedoch zahlreiche unterschiedliche Ursachen haben.

Dazu gehören beispielsweise Migräne, Spannungskopfschmerzen und andere primäre Kopfschmerzerkrankungen. Gleichzeitig können Kopfschmerzen als Folge anderer Erkrankungen auftreten.

Deshalb sollte ein Kopfschmerz nicht automatisch einem bestimmten Muskel, einer Narbe oder einem sogenannten Störfeld zugeschrieben werden.

Besonders neu auftretende, ungewöhnlich starke oder plötzlich einsetzende Kopfschmerzen sollten medizinisch abgeklärt werden. Das gilt insbesondere, wenn gleichzeitig neurologische Auffälligkeiten, Fieber, Bewusstseinsstörungen oder andere ungewöhnliche Symptome auftreten.

Kann Neuraltherapie bei Gelenkschmerzen eingesetzt werden?

Auch bei bestimmten Beschwerden im Bereich von Gelenken können neuraltherapeutische Injektionen angeboten werden.

Dabei muss zunächst unterschieden werden, wodurch die Schmerzen verursacht werden.

Gelenkschmerzen können beispielsweise im Zusammenhang stehen mit:

  • Verletzungen,
  • Überlastung,
  • entzündlichen Erkrankungen,
  • degenerativen Veränderungen oder
  • Beschwerden angrenzender Muskeln und anderer Gewebestrukturen.

Deshalb sollte nicht pauschal von einem schmerzenden Gelenk auf eine bestimmte neuraltherapeutische Behandlung geschlossen werden.

Eine vorherige Untersuchung ist insbesondere dann wichtig, wenn Gelenkschmerzen neu auftreten, länger anhalten oder mit Schwellung, Rötung, Überwärmung oder deutlichen Bewegungseinschränkungen verbunden sind.

Welche Rolle spielen Narben in der Neuraltherapie?

Narben spielen in traditionellen Konzepten der Neuraltherapie eine besondere Rolle.

Dabei wird angenommen, dass bestimmte Narben als sogenanntes „Störfeld“ wirken und Beschwerden auch an anderen Körperstellen beeinflussen könnten.

Im Rahmen einer neuraltherapeutischen Behandlung kann deshalb ein Lokalanästhetikum in beziehungsweise an eine Narbe injiziert werden.

Hier ist allerdings eine klare wissenschaftliche Differenzierung erforderlich.

Narben können durchaus lokale Beschwerden verursachen. Sie können beispielsweise empfindlich, schmerzhaft oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sein.

Davon zu unterscheiden ist die weitergehende Vorstellung, dass eine Narbe als „Störfeld“ weit entfernte Erkrankungen oder Beschwerden verursacht.

Diese traditionelle Störfeldtheorie ist wissenschaftlich nicht in gleicher Weise etabliert wie die pharmakologische Wirkung von Lokalanästhetika.

Kann Neuraltherapie bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden?

Chronische Schmerzen sind der mit Abstand am häufigsten untersuchte Bereich beim therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika.

In einer systematischen Übersichtsarbeit von 2023 entfielen rund 73 Prozent der eingeschlossenen Untersuchungen auf chronische Schmerzen.

Chronischer Schmerz ist jedoch kein einheitliches Krankheitsbild.

Bei länger bestehenden Schmerzen können körperliche, neurologische, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken. Moderne Schmerzmedizin betrachtet chronische Schmerzen deshalb häufig aus einer biopsychosozialen Perspektive.

Eine einzelne Injektion kann diese verschiedenen Faktoren nicht automatisch erfassen.

Neuraltherapie sollte bei chronischen Schmerzen daher nicht zwangsläufig als alleinige Behandlung betrachtet werden. Je nach Situation können beispielsweise Bewegung, Physiotherapie, medikamentöse Behandlung, psychologische Verfahren oder andere schmerzmedizinische Maßnahmen Bestandteil eines umfassenderen Behandlungskonzeptes sein.

Kann Neuraltherapie bei akuten Schmerzen eingesetzt werden?

Auch akute Schmerzen gehören zu den untersuchten Einsatzgebieten niedrig dosierter Lokalanästhetika.

Dabei ist zunächst wichtig, die Ursache des akuten Schmerzes zu beurteilen.

Ein plötzlich auftretender Schmerz kann beispielsweise durch eine vergleichsweise harmlose muskuläre Überlastung entstehen. Er kann aber auch Zeichen einer Verletzung, Entzündung oder anderen Erkrankung sein.

Deshalb sollte die schnelle Schmerzlinderung nicht das einzige Ziel sein.

Gerade bei neu auftretenden starken Beschwerden muss zunächst geprüft werden, ob eine Diagnose beziehungsweise weiterführende medizinische Abklärung erforderlich ist.

Wird Neuraltherapie auch bei Beschwerden außerhalb des Bewegungsapparates eingesetzt?

Ja. Neuraltherapie wird in der Praxis auch bei verschiedenen Beschwerden außerhalb des klassischen Bewegungsapparates angeboten.

Die wissenschaftliche Evidenz ist hierbei jedoch sehr unterschiedlich.

Die systematische Übersichtsarbeit zum therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika identifizierte auch Untersuchungen zu nicht schmerzbezogenen Anwendungsgebieten. Diese machten allerdings einen deutlich kleineren Teil der vorhandenen Forschung aus als die Schmerzbehandlung.

Deshalb sollte aus einem beschriebenen Anwendungsgebiet nicht automatisch auf eine nachgewiesene Wirksamkeit geschlossen werden.

Gerade bei inneren, neurologischen oder anderen Erkrankungen darf eine neuraltherapeutische Behandlung eine notwendige medizinische Diagnostik und etablierte Behandlung nicht ersetzen.

Bei welchen Beschwerden ist Neuraltherapie wissenschaftlich untersucht?

Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich insbesondere mit dem Einsatz von Lokalanästhetika bei Schmerzen.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 wertete 129 Publikationen zum therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika aus.

Dabei entfielen etwa:

73 Prozent auf chronische Schmerzen,

13 Prozent auf akute Schmerzen

und

14 Prozent auf Anwendungen außerhalb der Schmerzbehandlung.

Die Autoren fanden insgesamt Hinweise auf positive therapeutische Effekte, betonten aber zugleich, dass größere und methodisch hochwertige randomisierte kontrollierte Studien sowie längere Nachbeobachtungszeiten erforderlich sind.

Für Patienten bedeutet dies:

Es gibt wissenschaftliche Forschung zum therapeutischen Einsatz niedrig dosierter Lokalanästhetika. Daraus lässt sich aber kein pauschaler Wirksamkeitsnachweis für jede Form der Neuraltherapie und jedes angebotene Anwendungsgebiet ableiten.

Bei welchen Beschwerden sollte zunächst eine ärztliche Abklärung erfolgen?

Bestimmte Symptome sollten nicht vorschnell neuraltherapeutisch behandelt werden.

Eine zeitnahe beziehungsweise dringende medizinische Abklärung kann insbesondere erforderlich sein bei:

  • plötzlich auftretenden sehr starken Schmerzen,
  • Beschwerden nach schweren Verletzungen oder Unfällen,
  • Lähmungserscheinungen,
  • zunehmender Muskelschwäche,
  • ausgeprägten Gefühlsstörungen,
  • Problemen mit Blasen- oder Darmkontrolle,
  • hohem Fieber in Verbindung mit starken Schmerzen,
  • plötzlich auftretenden ungewöhnlich starken Kopfschmerzen,
  • Bewusstseinsstörungen,
  • neu auftretenden neurologischen Symptomen oder
  • anderen ungewöhnlichen oder sich rasch verschlechternden Beschwerden.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig.

Eine verantwortungsvolle Neuraltherapie beinhaltet deshalb auch die Entscheidung, wann nicht injiziert werden sollte und stattdessen eine weiterführende medizinische Abklärung erforderlich ist.

Ist Neuraltherapie für jeden Patienten mit Schmerzen geeignet?

Nein.

Ob eine Neuraltherapie infrage kommt, hängt nicht nur von der Art der Beschwerden ab.

Auch andere Faktoren können für die Entscheidung wichtig sein.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Vorerkrankungen,
  • Allergien und Unverträglichkeiten,
  • eingenommene Medikamente,
  • erhöhtes Blutungsrisiko,
  • Infektionen im Bereich der geplanten Injektionsstelle,
  • Art und Ursache der Schmerzen sowie
  • die genaue geplante Injektionstechnik.

Vor einer Behandlung sollte deshalb eine entsprechende Anamnese erfolgen.

Neuraltherapie oder andere Behandlung – was ist sinnvoll?

Diese Frage lässt sich nicht allein anhand des Symptoms beantworten.

Ein Patient mit Rückenschmerzen kann beispielsweise von Bewegung und Training profitieren. Bei einem anderen Patienten kann zunächst eine ärztliche Diagnostik erforderlich sein. Bei bestimmten Beschwerden können Physiotherapie, Medikamente, psychologische Schmerztherapie oder andere Verfahren infrage kommen.

Auch Kombinationen verschiedener Maßnahmen können sinnvoll sein.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Kann man diese Beschwerde mit Neuraltherapie behandeln?“

Sondern:

„Welche Behandlung ist bei der konkreten Ursache, der individuellen gesundheitlichen Situation und den persönlichen Behandlungszielen sinnvoll?“

Kurz zusammengefasst: Bei welchen Beschwerden kann Neuraltherapie eingesetzt werden?

Neuraltherapie wird vor allem bei akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt. Typische Anwendungsbereiche sind Rücken- und Nackenschmerzen, muskuläre beziehungsweise myofasziale Beschwerden sowie bestimmte Formen von Nervenschmerzen.

Darüber hinaus wird Neuraltherapie auch bei weiteren Beschwerden angeboten.

Die wissenschaftliche Evidenz unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen den einzelnen Anwendungsgebieten. Besonders umfangreich ist die Forschung zum therapeutischen Einsatz von Lokalanästhetika im Bereich chronischer Schmerzen.

Wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen „wird eingesetzt“ und „ist für dieses Beschwerdebild wissenschaftlich eindeutig wirksam“.

Vor einer neuraltherapeutischen Behandlung sollten die Beschwerden sorgfältig eingeordnet und mögliche Risiken beziehungsweise Gegenanzeigen berücksichtigt werden.

Neuraltherapie bei Martin Hammacher

Martin Hammacher ist Heilpraktiker und verfügt über langjährige Erfahrung mit Neuraltherapie sowie osteopathischen, chiropraktischen und weiteren manuellen Behandlungsmethoden. In seinen Praxen in Düsseldorf-Angermund und Köln-Rodenkirchen steht vor einer neuraltherapeutischen Behandlung zunächst die individuelle Betrachtung der Beschwerden und der gesundheitlichen Vorgeschichte.

Auf Grundlage von Anamnese und Untersuchung wird entschieden, ob Neuraltherapie im jeweiligen Fall infrage kommt und welche Form der Behandlung geeignet erscheint.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Untersuchung oder Diagnose.

Author: Martin Hammacher

zuletzt fachlich geprüft/aktualisiert: 2.10.2026