Wie läuft eine neuraltherapeutische Behandlung ab?
Eine neuraltherapeutische Behandlung beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung. Anschließend entscheidet der Behandler, ob Neuraltherapie geeignet ist und an welchen Stellen ein Lokalanästhetikum – häufig Procain – injiziert werden soll. Nach der Injektion wird die unmittelbare Reaktion beobachtet und der weitere Behandlungsverlauf individuell festgelegt.
Der genaue Ablauf kann sich je nach Beschwerden, Injektionstechnik und gesundheitlicher Situation unterscheiden. Eine Neuraltherapie sollte deshalb nicht nach einem starren Schema durchgeführt werden.
Was passiert vor der ersten neuraltherapeutischen Behandlung?
Am Anfang sollte ein ausführliches Gespräch stehen.
Dabei geht es nicht nur darum, wo es weh tut. Für die Entscheidung über eine Injektionsbehandlung sind auch die gesundheitliche Vorgeschichte, bestehende Erkrankungen und Medikamente wichtig.
Typische Fragen betreffen beispielsweise:
- Art und Ort der Beschwerden,
- Beginn und Verlauf der Beschwerden,
- Situationen, in denen die Beschwerden stärker oder schwächer werden,
- frühere Verletzungen und Operationen,
- bestehende Erkrankungen,
- regelmäßig eingenommene Medikamente,
- bekannte Allergien und Unverträglichkeiten,
- bisherige Behandlungen und
- vorhandene medizinische Befunde.
Besonders wichtig ist die Frage nach Medikamenten und Erkrankungen, die für eine Injektion relevant sein können.
Dazu können beispielsweise Medikamente gehören, die die Blutgerinnung beeinflussen.
Auch bekannte Reaktionen auf Lokalanästhetika sollten unbedingt vor der Behandlung mitgeteilt werden.
Warum ist die Anamnese bei Neuraltherapie so wichtig?
Bei der Neuraltherapie wird ein Medikament injiziert. Deshalb müssen neben dem eigentlichen Beschwerdebild auch mögliche Risiken und Gegenanzeigen berücksichtigt werden.
Die Anamnese erfüllt außerdem eine weitere wichtige Aufgabe:
Nicht jeder Schmerz sollte unmittelbar behandelt werden.
Zunächst sollte möglichst geklärt werden, ob die Beschwerden Hinweise auf eine Erkrankung oder Verletzung geben, die eine andere beziehungsweise weiterführende medizinische Diagnostik erfordert.
Eine sorgfältige Anamnese dient deshalb sowohl der Planung der Behandlung als auch der Patientensicherheit.
Wird vor der Neuraltherapie körperlich untersucht?
Je nach Beschwerdebild gehört eine körperliche Untersuchung zur Vorbereitung der Behandlung.
Bei Beschwerden des Bewegungsapparates können beispielsweise Haltung, Beweglichkeit, schmerzhafte Bewegungen, Muskulatur und bestimmte anatomische Strukturen untersucht werden.
Bei anderen Beschwerden kann eine andere Form der Untersuchung erforderlich sein.
Dabei geht es unter anderem um die Frage:
Welche Struktur könnte an den Beschwerden beteiligt sein und ist eine neuraltherapeutische Behandlung an dieser Stelle sinnvoll?
Eine Injektion sollte nicht allein deshalb durchgeführt werden, weil ein Patient an einer bestimmten Stelle Schmerzen verspürt.
Sind vor einer Neuraltherapie Röntgen, MRT oder andere Untersuchungen notwendig?
Nicht vor jeder neuraltherapeutischen Behandlung ist eine bildgebende Untersuchung erforderlich.
Ob Röntgenaufnahmen, MRT, CT, Laboruntersuchungen oder andere diagnostische Verfahren notwendig sind, hängt von den Beschwerden und der gesundheitlichen Situation ab.
Bereits vorhandene Befunde können für die Behandlung hilfreich sein.
Das gilt insbesondere, wenn die Beschwerden bereits medizinisch untersucht wurden.
Patienten können deshalb vorhandene Arztberichte, Bildgebungsbefunde oder andere relevante medizinische Unterlagen zum Termin mitbringen.
Neuraltherapie ersetzt keine notwendige Diagnostik.
Wie wird entschieden, wo gespritzt wird?
Die Auswahl der Injektionsstelle richtet sich nach dem Beschwerdebild und dem jeweiligen neuraltherapeutischen Behandlungskonzept.
Möglich sind beispielsweise:
- oberflächliche Injektionen in beziehungsweise unmittelbar unter die Haut,
- Injektionen an schmerzhafte Strukturen,
- Injektionen im Bereich bestimmter Muskelstrukturen,
- Injektionen in der Umgebung ausgewählter Nerven oder
- Injektionen im Bereich von Narben.
Die verschiedenen Injektionstechniken unterscheiden sich hinsichtlich Durchführung, Tiefe und möglicher Risiken.
Deshalb sollte die Injektionsstelle auf Grundlage der vorherigen Untersuchung festgelegt werden.
Was wird bei einer Neuraltherapie gespritzt?
Bei der Neuraltherapie werden Lokalanästhetika verwendet.
Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist Procain.
Lokalanästhetika hemmen vorübergehend die Weiterleitung elektrischer Signale in Nerven. Dadurch entsteht die bekannte örtlich betäubende beziehungsweise schmerzhemmende Wirkung.
In der Neuraltherapie werden häufig geringe Mengen und niedrige Konzentrationen verwendet.
Das neuraltherapeutische Behandlungskonzept geht davon aus, dass die Injektion neben der kurzfristigen lokalen Betäubung auch länger anhaltende Veränderungen von Schmerz- und Regulationsprozessen auslösen kann.
Solche weitergehenden Wirkannahmen sind jedoch nicht für alle Anwendungsgebiete gleichermaßen wissenschaftlich belegt.
Was passiert unmittelbar vor der Injektion?
Zunächst wird die vorgesehene Injektionsstelle bestimmt.
Abhängig von der Art der Injektion wird die Haut entsprechend vorbereitet beziehungsweise desinfiziert.
Der Patient sollte vor der Behandlung wissen, wo und warum injiziert werden soll.
Auch mögliche Risiken und Reaktionen sollten vorab besprochen werden.
Wer Angst vor Spritzen hat oder bei früheren Injektionen beziehungsweise Blutabnahmen schon einmal Kreislaufprobleme hatte, sollte dies vor der Behandlung mitteilen.
Wie wird eine neuraltherapeutische Injektion durchgeführt?
Die genaue Durchführung hängt von der gewählten Technik ab.
Bei einer oberflächlichen Behandlung wird eine kleine Menge des Lokalanästhetikums in beziehungsweise unmittelbar unter die Haut injiziert.
Eine bekannte Technik ist die sogenannte Quaddelung.
Dabei entsteht an der Injektionsstelle vorübergehend eine kleine sichtbare Erhebung der Haut.
Andere neuraltherapeutische Techniken können tiefer erfolgen.
Dabei können beispielsweise ausgewählte Muskel- oder Gewebestrukturen beziehungsweise die Umgebung bestimmter Nerven behandelt werden.
Die Risiken einer Injektion hängen unter anderem davon ab, wo und wie tief injiziert wird.
Eine oberflächliche Hautquaddel ist deshalb nicht mit einer tieferen Injektion gleichzusetzen.
Wie fühlt sich eine neuraltherapeutische Injektion an?
Der Einstich mit der Nadel kann kurzzeitig wahrgenommen werden.
Auch das Einspritzen des Lokalanästhetikums kann je nach Injektionsstelle beispielsweise als Druck, Brennen oder kurzes unangenehmes Gefühl empfunden werden.
Anschließend kann die behandelte Region vorübergehend weniger empfindlich oder taub werden.
Wie stark diese Empfindungen sind, ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der Injektionsstelle und der verwendeten Technik ab.
Starke oder ungewöhnliche Beschwerden während einer Injektion sollten unmittelbar angesprochen werden.
Wie schnell kann die Wirkung einsetzen?
Die örtliche Wirkung eines Lokalanästhetikums kann grundsätzlich relativ schnell einsetzen.
Deshalb kann sich das Empfinden im behandelten Bereich bereits kurz nach einer Injektion verändern.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass damit bereits der langfristige Erfolg der Behandlung beurteilt werden kann.
Eine kurzfristige Schmerzlinderung kann zunächst durch die bekannte Wirkung des Lokalanästhetikums entstehen.
Für die Beurteilung eines längerfristigen therapeutischen Effekts ist deshalb entscheidend, wie sich die Beschwerden nach Abklingen der unmittelbaren lokalen Wirkung entwickeln.
Was passiert direkt nach der Injektion?
Nach einer neuraltherapeutischen Injektion kann die Reaktion des Patienten beobachtet werden.
Je nach Beschwerdebild können beispielsweise Schmerzen, Beweglichkeit oder andere zuvor festgestellte Auffälligkeiten erneut überprüft werden.
Dadurch lässt sich feststellen, ob unmittelbar eine Veränderung eingetreten ist.
Auch mögliche unerwünschte Reaktionen können so erkannt werden.
Insbesondere nach umfangreicheren oder tieferen Injektionen kann eine entsprechende Nachbeobachtung sinnvoll sein.
Was kann man nach einer Neuraltherapie spüren?
Nach der Behandlung können unterschiedliche Reaktionen auftreten.
Im Bereich der Injektionsstelle können beispielsweise vorübergehend auftreten:
- ein Taubheitsgefühl,
- Druckempfindlichkeit,
- leichte Schmerzen,
- eine kleine Schwellung oder
- ein kleiner Bluterguss.
Welche Reaktionen möglich sind, hängt von der verwendeten Injektionstechnik und der behandelten Körperregion ab.
Eine vorübergehende Reaktion sollte nicht automatisch als sogenannte „Erstverschlimmerung“ und damit als Beweis für die Wirksamkeit der Behandlung interpretiert werden.
Starke, ungewöhnliche oder zunehmende Beschwerden sollten dem Behandler mitgeteilt beziehungsweise medizinisch abgeklärt werden.
Welche Risiken bestehen bei einer Neuraltherapie?
Da bei der Neuraltherapie eine Nadel verwendet und ein Medikament injiziert wird, bestehen grundsätzlich Risiken.
Dazu können je nach Injektion gehören:
- Schmerzen an der Einstichstelle,
- Blutungen und Blutergüsse,
- Infektionen,
- Verletzungen umliegender Strukturen,
- vorübergehende Veränderungen der Empfindung und
- unerwünschte Reaktionen auf das verwendete Lokalanästhetikum.
Bei tieferen Injektionen können abhängig von der anatomischen Region zusätzliche Risiken bestehen.
Auch Lokalanästhetika selbst können bei zu hoher Konzentration im Körper schwerwiegende unerwünschte Wirkungen verursachen. Solche systemischen Reaktionen können unter anderem das zentrale Nervensystem und das Herz-Kreislauf-System betreffen.
Die sorgfältige Auswahl von Wirkstoff, Dosierung und Injektionstechnik ist deshalb wichtig.
Wie lange dauert eine neuraltherapeutische Behandlung?
Eine pauschale Behandlungsdauer lässt sich nicht seriös festlegen.
Ein erster Termin kann aufgrund der notwendigen Anamnese und Untersuchung mehr Zeit beanspruchen als ein späterer Behandlungstermin.
Auch Anzahl und Art der vorgesehenen Injektionen beeinflussen die Dauer.
Die Länge eines Termins sagt zudem nichts darüber aus, wie wirksam eine Behandlung ist.
Entscheidend sind vielmehr eine sorgfältige Untersuchung, eine nachvollziehbare Indikationsstellung und die fachgerechte Durchführung.
Wie viele Spritzen werden bei einer Behandlung gesetzt?
Auch hierfür gibt es keine feste Zahl.
Bei einer oberflächlichen Quaddelbehandlung können mehrere kleine Injektionen vorgenommen werden. Bei anderen Techniken kann dagegen nur an einer oder wenigen ausgewählten Stellen injiziert werden.
Mehr Injektionen bedeuten nicht automatisch eine bessere Behandlung.
Anzahl und Position sollten sich nach dem jeweiligen Behandlungsziel richten.
Wie viele neuraltherapeutische Behandlungen sind notwendig?
Die Anzahl der Behandlungen hängt von der Art, Dauer und Entwicklung der Beschwerden sowie vom individuellen Ansprechen ab.
Deshalb sollte nicht bereits zu Beginn pauschal eine bestimmte Anzahl von Sitzungen als grundsätzlich notwendig dargestellt werden.
Sinnvoll ist vielmehr, den Verlauf regelmäßig zu überprüfen.
Dabei können beispielsweise folgende Fragen gestellt werden:
Haben sich die Schmerzen verändert?
Hat sich die Beweglichkeit oder körperliche Funktion verbessert?
Wie lange hält eine mögliche Veränderung an?
Ist eine weitere Behandlung weiterhin sinnvoll?
Bleibt ein nachvollziehbarer Behandlungseffekt aus, sollte die Behandlungsstrategie überprüft werden.
Was sollte ich zur ersten Behandlung mitbringen?
Wenn vorhanden, können medizinische Unterlagen hilfreich sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- aktuelle Arztberichte,
- relevante Röntgen-, MRT- oder CT-Befunde,
- Operationsberichte,
- eine Liste der regelmäßig eingenommenen Medikamente und
- Informationen über bekannte Allergien.
Besonders wichtig sind vollständige Angaben zu Medikamenten, die die Blutgerinnung beeinflussen, sowie zu bekannten Reaktionen auf örtliche Betäubungsmittel.
Wann sollte Neuraltherapie nicht sofort durchgeführt werden?
Nicht jede Beschwerde eignet sich für eine unmittelbare Injektionsbehandlung.
Zunächst medizinisch abgeklärt werden sollten insbesondere plötzlich auftretende oder ungewöhnlich starke Beschwerden sowie Symptome, die auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen könnten.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Lähmungserscheinungen,
- zunehmende Muskelschwäche,
- ausgeprägte Gefühlsstörungen,
- Probleme mit Blasen- oder Darmkontrolle,
- hohes Fieber in Verbindung mit starken Beschwerden,
- starke Schmerzen nach einem Unfall,
- plötzlich auftretende außergewöhnlich starke Kopfschmerzen oder
- andere neu auftretende neurologische Symptome.
Diese Aufzählung ist nicht vollständig.
Eine verantwortungsvolle Behandlung beinhaltet deshalb auch die Entscheidung, wann eine Neuraltherapie nicht durchgeführt und stattdessen eine weiterführende medizinische Abklärung empfohlen werden sollte.
Was passiert, wenn die erste Behandlung keine Wirkung zeigt?
Nicht jeder Patient reagiert auf eine neuraltherapeutische Behandlung gleich.
Bleibt eine Verbesserung aus, bedeutet dies nicht automatisch, dass lediglich häufiger oder an mehr Stellen injiziert werden sollte.
Stattdessen sollte überprüft werden:
- Ist die ursprüngliche Einschätzung weiterhin plausibel?
- Haben sich die Beschwerden verändert?
- Ist weitere Diagnostik erforderlich?
- Gibt es andere geeignete Behandlungsmöglichkeiten?
- Ist eine Fortsetzung der Neuraltherapie sinnvoll?
Gerade bei länger bestehenden Schmerzen kann ein Behandlungskonzept aus mehreren Maßnahmen bestehen.
Neuraltherapie ist dann möglicherweise nur ein Bestandteil und nicht zwangsläufig die alleinige Behandlung.
Kurz zusammengefasst: Wie läuft eine neuraltherapeutische Behandlung ab?
Eine sorgfältig durchgeführte Neuraltherapie beginnt nicht mit der Spritze, sondern mit der Anamnese und Untersuchung.
Der typische Ablauf lässt sich vereinfacht so darstellen:
Anamnese → Untersuchung → Prüfung von Risiken und Gegenanzeigen → Auswahl der Injektionstechnik → Injektion des Lokalanästhetikums → Beobachtung der Reaktion → Verlaufskontrolle
Häufig wird dabei das Lokalanästhetikum Procain eingesetzt.
Abhängig vom Beschwerdebild können oberflächliche Quaddeln oder andere Injektionstechniken verwendet werden.
Wie viele Injektionen und Behandlungstermine erforderlich sind, lässt sich nicht pauschal festlegen. Entscheidend ist die individuelle Entwicklung der Beschwerden.
Neuraltherapie bei Martin Hammacher
Martin Hammacher ist Heilpraktiker und verfügt über langjährige Erfahrung mit Neuraltherapie sowie osteopathischen, chiropraktischen und weiteren manuellen Behandlungsmethoden. In seinen Praxen in Düsseldorf-Angermund und Köln-Rodenkirchen geht einer neuraltherapeutischen Behandlung eine individuelle Betrachtung der Beschwerden und der gesundheitlichen Vorgeschichte voraus.
Auf Grundlage von Anamnese und Untersuchung wird entschieden, ob eine neuraltherapeutische Behandlung infrage kommt und welche Vorgehensweise für die jeweilige Situation geeignet erscheint.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Untersuchung oder Diagnose.
Author: Martin Hammacher
zuletzt fachlich geprüft/aktualisiert: 2.10.2026
Quellen und weiterführende Informationen
- PubMed – Therapeutic Use of Low-Dose Local Anesthetics in Pain, Inflammation, and Other Clinical Conditions: A Systematic Scoping Review
- StatPearls – Local Anesthetic Toxicity
- StatPearls – Local Anesthetics in Children
- PubMed – Long-term results of therapeutic local anesthesia (neural therapy) in refractory chronic pain patients
Zuletzt geprüft: Oktober 2026





